Lieber grüner Rasen als Kölner Keller

Prominenten Besuch hatte jetzt die Schiedsrichtergruppe Riß: FIFA- und Bundesliga-Referee Marco Fritz war im Pfarrstadel in Alberweiler zu Gast. Und was er zu berichten wusste, war äußerst interessant, was auch die vielen Fragen im Anschluss des Referats belegen.

Hauptthema des 41-Jährigen aus Korb bei Waiblingen war die Arbeit des Video-Schiedsrichters – in der Öffentlichkeit viel diskutiert und oft kritisiert. Fritz hatte noch am Samstag als Video-Assistent beim Bundesliga-Spiel Fortuna Düsseldorf-Schalke 04 fungiert. 22 bis 28 Kameras stehen dem Team in Köln zur Verfügung, doch selbst die liefern nicht immer ein eindeutiges Bild, erklärte Fritz. Anhand von Video-Szenen von der Fußball-WM in Russland erläuterte er, wann Video-Assistent eingreift und wann nicht, in welchen Fällen sich der Schiedsrichter zum Spielfeldrand begibt, um sich eine strittige Szene nochmals anzuschauen.

Sind die Hände eines Abwehrspielers, die den Ball berühren, über der Schulter, geht man stets von absichtlichem Handspiel aus. Steht der Abwehrspieler bei einem Schuss zwischen Elfmeterpunkt und Strafraumgrenze, ist es kein so genanntes „Schussbahn-Abseits“, im Gegensatz zu einer Szene, wenn der Stürmer im Fünfmeterraum vor dem Torwart steht. Versucht ein Spieler beim Abwehrversuch, den Ball zu spielen und trifft aber nur den gegnerischen Stürmer, kann auch eine gelbe Karte genügen. Solche und andere Beispiele wusste der erfahrene Unparteiische  zu berichten.,

„Ich habe gesehen, der hat ihm in die Haare gegriffen und zum Unparteiischen gesagt, das ist für mich Rot“ – so kommentierte Fritz den vielbeachteten Platzverweis für Superstar Christiano Ronaldo beim Champions League-Spiel von Juventus Turin beim FC Valencia. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte Ronaldo nach Rücksprache mit Torrichter Fritz des Feldes verwiesen. „Hinterher gab es einige negative Reaktionen“, berichtete Fritz, wenn auch nicht vom Spieler oder vom Verein.

Fast jedes Wochenende ist Marco Fritz im Einsatz, erklärte er bei der Fragerunde, und ein Video-Assistent erhält die gleiche Vergütung wie der vierte Mann am Spielfeldrand. Mehr als ein Spiel pro Tag könne ein Video-Assistent nicht überwachen – „nach 90 Minuten ist das Hemd durchgeschwitzt“, sagte der Referent.

Eindeutig war seine Antwort auf die Frage, ob er lieber selber pfeift oder als Video-Schiri fungiert. „Pfeifen macht viel mehr Spaß“, sagte Fritz. Lieber sei er „auf dem grünen Rasen als im Kölner Keller“. Den Besuch bei den Riß-Unparteiischen hatte Schiri-Kollege Felix Maucher vermittelt, er war kurzfristig zustande gekommen.